Pressemitteilung: Vom Munitionsdepot zum Krematorium

In die Region hineingewachsen

Dachsenhausen, 18. Juni 2026 — Was 2001 mit einer einzigen Anlage auf einem stillgelegten Bundeswehrgelände begann, gehört heute zu den größten und modernsten Krematorien Europas. Und es ist ein Familienunternehmen geblieben.

Vor 25 Jahren nahm das Rhein-Taunus-Krematorium in Dachsenhausen seinen Betrieb auf. Die Idee dazu stammte aus den 90er Jahren von Hans-Dieter Ilgner, dem Bürgermeister der damaligen Verbandsgemeinde Braubach. Er suchte eine sinnvolle Nachnutzung für einen Standort, den die Bundeswehr aufgegeben hatte. Die Herausforderung: Ein Areal, so groß wie rund 50 Fußballfelder, mitten im Wald, das nächste Dorf drei Kilometer entfernt. Genau dort entstand eines der ersten privat geführten Krematorien Deutschlands. 1999 begann der Bau, 2001 ging das Haus mit einer einzigen Einäscherungsanlage in Betrieb. Schon die erste Urne ging auf die Reise nach Hawaii.

Heute arbeitet das Haus mit acht modernen Anlagen.

Das Abschiednehmen hat sich verändert

In diesen 25 Jahren hat sich verändert, wie Menschen in Deutschland bestatten. Zur Jahrtausendwende lag der Anteil der Feuerbestattungen schätzungsweise bei 40 Prozent; inzwischen sind es nach Branchenerhebungen rund 80 Prozent. Die Feuerbestattung ist von der Ausnahme zur Regel geworden.

Das hat viel mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu tun“, sagt Judith Könsgen, Geschäftsführerin des Rhein-Taunus-Krematoriums. „Familien leben heute oft weit verstreut. Die selbstverständliche Grabpflege, bei der über Jahrzehnte jemand vor Ort das Grab versorgt, gibt es so kaum noch.“ Damit gewinnen pflegefreie Gräber an Bedeutung. Meist sind dies Urnengräber, um die sich die Angehörigen nicht dauerhaft kümmern müssen. In Dachsenhausen reicht das Angebot dieser pflegefreien Gräber vom Rasengrab über den Blumengarten und das Grab im Kräuterhochbeet bis zur Urnenbeisetzung auf der Waldlichtung.

Viele Bewährungsproben

Pandemie, Flutkatastrophe, Energiekrise: In den vergangenen Jahren stellten gleich mehrere Ausnahmelagen den Betrieb auf die Probe.

In der Corona-Pandemie ab 2020 lief der Betrieb ohne Unterbrechung. Damit sich die Mitarbeiter nicht gegenseitig ansteckten, stellte das Haus auf einen Zweischichtbetrieb um, bei dem sich die Schichten zu keinem Zeitpunkt überlappten. So blieb das Krematorium auch bei einer deutlich gestiegenen Zahl von Verstorbenen handlungsfähig. Mindestens ebenso wichtig war in Zeiten hoher Informationsunsicherheit die laufende Information der Bestatter: Das Krematorium tauschte sich frühzeitig mit Fachmedizinern aus und stützte sich auf die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, sodass die angeschlossenen Bestattungsunternehmen jederzeit wussten, welcher Wissensstand für den Umgang mit Verstorbenen gerade galt. Den Angehörigen, die eine Beisetzung organisieren wollten, bot das Krematorium zwei Wege an: entweder eine stille Beisetzung ohne Trauergesellschaft oder den Aufschub der Beisetzung, bis eine gemeinsame Trauerfeier wieder möglich war.

Im Jahr 2021 traf die Flutkatastrophe das nur rund 55 Kilometer entfernte Ahrtal. Alle Todesopfer der Katastrophe wurden zur Identifizierung im Rhein-Taunus-Krematorium aufgenommen; das Landeskriminalamt richtete hier seine Identifizierungsstraße ein. „Was uns in dieser Lage sehr beeindruckt hat, war die Professionalität der Ermittlungsbehörden“, erinnert sich der Seniorchef Karl-Heinz Könsgen. „Diese Zusammenarbeit hat das Verhältnis zu den Behörden nachhaltig gestärkt.“

Es gibt in Deutschland genügend Kapazität für Feuerbestattung, auch während der Corona Pandemie

Das Jahr 2022 brachte schließlich mit der Gas- und Energiekrise eine ganz andere Unsicherheit. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stand im Raum, dass die Gasversorgung nicht mehr gesichert sein könnte. Das ist für ein Krematorium mit gasbetriebenen Anlagen eine existenzielle Frage. Das Haus stellte seine Abläufe auf einen durchgehenden 24-Stunden-Betrieb um, damit die Wärmeenergie in den Anlagen erhalten bleibt, und nutzte die zwei großen Energiesparanlagen so, dass dort die Feuerbestattung ohne Erdgas möglich wurde. Ebenso entscheidend war der enge Austausch mit den Bestattern darüber, wie man auch in dieser Situation weiter gut zusammenarbeiten kann. Mittlerweile hat sich das Krematorium mit zwei zusätzlichen Propangasanlagen wesentlich unabhängiger von der Erdgasversorgung gemacht.

Gefragt über die Region hinaus

In den letzten Jahren ist zudem der Austausch mit überregionalen staatlichen Akteuren spürbar gewachsen. Gemeinsam mit Feuerwehren und der Bundeswehr wurden tragfähige Netzwerke aufgebaut und ein gemeinsames Verständnis für mögliche Großschadenslagen entwickelt.

Im Ernstfall ist heute entscheidend, dass man sich frühzeitig kennt, dass die Partner wissen, wen sie wie erreichen, sodass alle schnell reagieren können“, sagt Judith Könsgen. „Diesen Austausch auf Augenhöhe zu pflegen, lange bevor etwas passiert, ist aus unserer Sicht das Wichtigste.“

Aus dem Bedarf der Angehörigen heraus

Die Wünsche und Bedürfnisse vieler Angehöriger haben sich in den letzten 25 Jahren deutlich verändert.

Bei der Beisetzung im Wald ist die Mobilität der Angehörigen meist noch kein Thema. Doch wer Jahre später auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, kommt an die Grabstelle oft nicht mehr heran. Daraus entstand das Grab im Kräuterhochbeet, das direkt am befestigten Weg liegt und gut mit dem Rollstuhl erreichbar ist.

Ebenso äußerten viele Besucher den Wunsch, gemeinsam mit ihrem eigenen Haustier bestattet zu werden. Im Jahr 2015 eröffnete in Dachsenhausen mit „Unser Hafen“ der erste Friedhof Deutschlands, auf dem die gemeinsame Beisetzung von Mensch und Tier in einem Grab möglich ist.

Wie sich das Unternehmen anpassen muss, zeigt sich beispielhaft auch an einer Entscheidung gegen ein Angebot. Im Rheinhöhen-Ruhewald, dem gemeinsam mit der Stadt Braubach betriebenen Bestattungswald, konnten Verstorbene an einem ausgewählten Baum beigesetzt werden. Weil über 70 Prozent der Bäume in Rheinland-Pfalz inzwischen Schäden aufweisen, ließ sich nicht mehr verlässlich versprechen, dass ein bestimmter Baum über die gesamte Ruhezeit gesund bleibt. Statt ein Versprechen zu geben, das man künftig möglicherweise nicht mehr halten kann, stellte das Krematorium die Beisetzung am Einzelbaum ein. Stattdessen gibt es nun die Beisetzung auf der Waldlichtung. Diese naturnahe Grabstätte im Wald ist zudem über befestigte Wege gut erreichbar.

Blick nach vorn

Auch in der Bestattungsbranche macht die Digitalisierung nicht halt. Dafür hat das Krematorium eigens die Branchensoftware Kremasoft entwickelt. Für das Rhein-Taunus-Krematorium macht sie Abläufe sicherer und schneller. Bestatter sehen beispielsweise digital jederzeit, wie der aktuelle Stand eines Sterbefalls ist: ob etwa die Genehmigung zur Zweiten Leichenschau vorliegt oder ob bereits eingeäschert wurde. Diese genaue Kenntnis ist für die tägliche Arbeit der Bestatter eine wichtige Erleichterung.

Kollage aus den neuen Bestattungsmöglichkeiten in RLP: Flussbestattung, Urne zu Hause, Ascheverstreuung und einer Trauerfeier

Eine große Veränderung dürfte das neue Bestattungsrecht in Rheinland-Pfalz bringen, das seit 2025 zusätzliche Formen wie die Flussbestattung, die Verstreuung der Asche oder die Aufbewahrung der Urne zu Hause erlaubt. Es ist gut möglich, dass weitere Bundesländer diesem Weg folgen. Wer die neuen Möglichkeiten nutzen möchte, muss allerdings wissen: Vieles davon lässt sich nur verwirklichen, wenn man zu Lebzeiten selbst eine Entscheidung trifft und sie verbindlich festhält. „Genau dafür lohnt es sich, frühzeitig das Gespräch mit dem Bestatter zu suchen“, sagt Judith Könsgen.

Ein Punkt blieb über die Jahrzehnte hinweg gleich und wird es nach Einschätzung von Karl-Heinz und Judith Könsgen auch weiterhin bleiben, nämlich Transparenz: „Ob Tag der offenen Tür oder monatliche Führungen, wir sind ein offenes Haus und zeigen Interessierten gerne, wie ein modernes Krematorium funktioniert.“

Über das Rhein-Taunus-Krematorium

Das Rhein-Taunus-Krematorium ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Dachsenhausen, in der Verbandsgemeinde Loreley bei Koblenz. Mit acht modernen Einäscherungsanlagen zählt es zu den größten und modernsten Krematorien Europas. 2001 in Betrieb genommen, war es eines der ersten privatwirtschaftlich geführten Krematorien in Deutschland. Zum Rhein-Taunus-Krematorium gehören die Deutsche Friedhofsgesellschaft, der Friedhof für Mensch und Tier „Unser Hafen“ sowie die Branchensoftware Kremasoft. Von Koblenz ist das Krematorium in 25 Minuten zu erreichen, von Wiesbaden, Mainz und Limburg in rund 50 Minuten.